Betrachtungsweisen

Ein zentraler Teil eines Zukunftskonzepts ist eine gemeinsame Lesart des Raumes. Wie ist das jeweilige Selbstverständnis der Städte im regionalen Gefüge? Wie funktioniert der Raum und wie soll er sich zukünftig ordnen?
Divergente räumliche Betrachtungsweisen sind ein Hilfsmittel, um die Form – Verbundenheit oder Isolation, Verknüpfung oder Eigenständigkeit, Abgrenzungen und Umfassungen – von Siedlungskörpern und Agglomerationen zu verstehen. Sie beschreiben und überspitzen Varianten, ohne Präferenzen oder Ziele vorzugeben. An ihnen können also unterschiedliche Visionen, wie sich der Kooperationsraum zukünftig entwickeln könnte, parallel diskutiert und verglichen werden.

Extreme Handlungsanweisungen können parallel durchgespielt und und Auswirkungen betrachtet werden. Wo konzentriert sich Wohnen? Wie verknüpft es sich mit den Naturräumen? Welches Mobilitätskonzept passt wozu?
Die Tragweite bestimmter Entscheidungen und die Resilienz des Kooperationsraums gegenüber Zukunfts-Entwicklungen kann so geprüft werden.

  • A – Offene Hand
    Es entwickeln sich Bandstädte entlang der Hauptverkehrsachsen des SPNV. Die Mobilitätsachse entlang der Rheinschiene wird gestärkt, daneben konzentriert sich die Erschließung in Ost-West-Korridoren.
    Innerhalb dieser Korridore werden die Siedlungsräume differenziert nachverdichtet, urbane Kerne an den Mobilitätsknoten wechseln sich ab mit suburbanem Wohnen.
    Die markanten Kulturlandschaftsräume des Rheintals sowie die Mittelterrasse mit dem Kiesabbau und dessen Folgelandschaften bilden ein grünes Rückgrat. Von diesem aus entwickeln sich „grüne Finger“ entlang der Bachtäler bis in das Bergische Land und verweben sich mit den urbanen Bändern.
     
  • B – Band und Ring
    Die Rheinschiene und das Bergische Städtedreieck agglomerieren zu zwei Metropolen – der Bandstadt und der Ringstadt. Außerhalb dieser wachsen die bestehenden Orte kaum, sie funktionieren als autarke Enklaven, die geschlossene Systeme im Grünen bilden.
    In der Bandstadt entstehen Mobilitätsachsen unterschiedlicher Funktion und Geschwindigkeiten in Nord-Süd-Richtung, in der Ringstadt bildet sich ein Ringsystem.
    Die Ringstadt umschließt den „Central Park“ als gut ausgebautes Naherholungsgebiet. Die verbleibenden großen zusammenhängenden Grünräume erhalten Schutzgebietsstatus, dienen aber auch als Orte für eine verträgliche Freizeit- und Erholungsnutzung.

  • C – Die Netzstadt
    Der Kooperationsraum versteht sich als Netzwerk mit drei regionalen Zentren. Innerhalb dieses Netzes werden urbane Kernzonen um die SPNV-Knotenpunkte verdichtet. Die Netzstadt ist ein ungerichtetes System, deren Teile sich paritätisch entwickeln.
    Die Netzstruktur wird für alle Mobilitätsformen flächendeckend ausgebaut, ÖPNV und Fahrradverkehr werden aber bevorzugt. Außerhalb des Netzes sind Siedlungen hinsichtlich Wachstum und Mobilität eingeschränkt.
    Grünräume innerhalb des Netzes werden zu Naherholungsräumen ausgebaut. Sie dienen der Klimaregulierung und zur regionalen Erzeugung von Lebensmitteln. An den Rändern entstehen drei zusammenhängende, großräumige Naturräume, die vor allem dem Naturschutz dienen.

  • D – Schöner Wohnen
    Nachhaltige Mobilitätsformen und eine kleinteilig regionalisierte Lebens- und Arbeitsweise verändern den Alltag der Bevölkerung. Nicht mehr die Anbindung steht im Vordergrund, sondern die besonderen Qualitäten des jeweiligen Wohnortes. Wohnungssuchende entscheiden entsprechend ihres Lifestyles, ob urbanes Wohnen mitten in der Stadt mit direktem Kulturangebot oder hochqualitatives, suburbanes und familienfreundliches Wohnen an den Rändern der Landschaftsräume gewünscht wird.
    Die Diversität und Einzigartigkeit der Landschaftsräume gehören zur Identität jeder Siedlung. Sie definieren Standort, Qualität, Zielgruppe und Wohnform und dienen darüber hinaus als Klimazellen.

  • E – Alles kann
    Die bestehenden Siedlungen entwickeln sich weitestgehend unabhängig voneinander. Jede Stadt bleibt als autarkes Gebilde mit der Identität ihrer traditionellen Stadtkerne bestehen.
    Das ÖPNV-Netz wird regionalisiert und funktioniert kleinmaßstäblicher, der Individualverkehr übernimmt den Hauptanteil des Berufs- und Freizeitverkehrs.
    Die Grünräume werden miteinander verwoben und stellen als Grüne Infrastruktur die Grundlage für eine weiche Mobilität sowie jedweder Art des Angebots für Freizeit und Erholung dar.

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